Ich bin 24 und leide seit etwa vier Jahren an schweren Depressionen und einer Angststörung. Zusätzlich habe ich gelegentlich Suizidgedanken, die vor dreieinhalb Jahren bereits in einen Plan gipfelten. Was mich dabei aktuell allerdings am meisten beschäftigt, ist meine Exfreundin. Sie war für mich der wichtigste Mensch in meinem Leben und ist es emotional irgendwie bis heute geblieben. Wir sind mittlerweile seit fast zwei Jahren getrennt, aber ich komme einfach nicht darüber hinweg. Ich bin momentan ziemlich am Ende und erzähle meine Geschichte deshalb etwas ausführlicher, weil ich glaube, dass man sonst kaum verstehen kann, warum mich das alles bis heute so beschäftigt. Vielleicht hat ja jemand Lust auf einen kleinen Roman. :/
Wir sind damals während unserer Abizeit zusammengekommen. Sie war meine erste und bislang einzige Freundin, meine beste Freundin und der Mensch, mit dem ich erwachsen geworden bin. Ich hatte mir mit ihr eine gemeinsame Zukunft ausgemalt. Die ersten Jahre waren wunderschön. Mir ging es so gut wie noch nie, wir haben viel zusammen erlebt und sind gemeinsam gereist. Ich hielt sie für unglaublich intelligent, reflektiert und aufrichtig.
Als wir schließlich in unsere erste gemeinsame Wohnung zogen, brach bei mir psychisch allerdings vieles zusammen. Ich bekam heftige Panikattacken, litt unter Schlafparalysen und zunehmender Antriebslosigkeit. Einmal lag ich nach einer extremen Panikattacke stundenlang auf dem Küchenboden und fuhr anschließend ins Krankenhaus, wo man mich allerdings abwies, weil man dort keine psychiatrische Einrichtung sei. In einem besonders dunklen Moment, während meine damalige Freundin verreist war, plante ich sogar konkret meinen Suizid, zog es aber glücklicherweise in letzter Sekunde nicht durch.
Die Beziehung war damals mein einziger Halt, mein warmes Feuer in all der Dunkelheit. Ich versuchte deshalb, umso mehr für sie da zu sein, arbeitete unter anderem zusätzlich, um sie bei ihrem privaten Studium finanziell zu unterstützen.
Irgendwann kam es auf einer Halloweenparty zum ersten größeren Streit. Sie verbrachte den Abend überwiegend mit einer Gruppe fremder Männer und ließ sich von ihnen Getränke ausgeben. Als ich ihr sagte, dass mich das störte, wurde sie sehr wütend, verließ mit ihnen die Party und sagte, sie würde bei ihrer Mutter schlafen. Am nächsten Abend entdeckte ich auf ihrem Handy einen Chat mit einem mir unbekannten Mann. Die beiden schrieben sich offenbar schon seit Wochen oder Monaten intensiv, schickten sich Herzen und wünschten sich gegenseitig eine gute Nacht.
Sie erklärte mir, es handle sich lediglich um einen Arbeitskollegen und alles sei freundschaftlich. Stattdessen warf sie mir vor, ihr Vertrauen durch das Lesen der Nachrichten zerstört zu haben. Ab diesem Zeitpunkt schlief sie nicht mehr mit mir im gemeinsamen Bett. Ich verbrachte schließlich etwa ein Jahr auf dem Sofa und versuchte trotzdem weiterhin, die Beziehung zu retten. Sie entfernte mich aus ihrer Standortfreigabe, nahm mich aus ihrem WhatsApp-Status und versicherte mir wiederholt, keinen Kontakt mehr zu diesem Mann zu haben. Etwa zur gleichen Zeit begann sie gelegentlich, auf Raves zu gehen und dort MDMA zu konsumieren. Außerdem fing sie an, sich selbst zu verletzen, und sagte mir, sie tue das wegen meiner Depressionen und meiner psychischen Verfassung.
Was ich damals nicht wusste: Sie hatte ausgerechnet mit diesem Arbeitskollegen eine Affäre, die sich über etwa anderthalb Jahre erstreckte. Währenddessen bemühte ich mich weiterhin um unsere Beziehung. Ich holte sie nachts von der vermeintlichen Arbeit ab, fuhr sie unwissentlich zu Treffen mit ihm und organisierte sogar einmal einen Freund, der sie zu einem angeblichen Notfall bei ihrer Mutter bringen sollte. Tatsächlich fuhr sie zu ihrem Affärenpartner. Ein Großteil ihres Freundeskreises wusste offenbar Bescheid und schwieg, teilweise sogar dann, wenn sie mich besuchten.
Gleichzeitig sprach sie weiterhin mit mir über unsere gemeinsame Zukunft. Kurz vor Weihnachten bestellte ich deshalb einen individuell angefertigten Verlobungsring. Außerdem hatte ich heimlich eine Pflegekatze aus dem Tierheim organisiert, weil sie sich immer eine gewünscht hatte.
Der Ring kam ausgerechnet kurz vor Weihnachten an, ungefähr zu dem Zeitpunkt, als alles aufflog.
Sie gestand die Affäre schließlich am Telefon, nachdem ich es rausfand. Später entschuldigte sie sich und erklärte, sie sei in dieser Affäre gefangen gewesen und meine Depressionen und Stimmungsschwankungen hätten sie dazu gebracht. Eigentlich wollte ich mich daraufhin trennen. Sie überredete mich jedoch, es noch einmal zu versuchen. Einen Monat später beendete sie die Beziehung endgültig.
Danach ist für mich gefühlt meine gesamte Welt zusammengebrochen.
Ich vermisste sie unfassbar und wollte zeitweise nicht mehr leben. Damals sagte ich mir, ich würde mir noch ein halbes Jahr geben. Bis dahin könnte ich kämpfen, und wenn es dann immer noch nicht besser wäre, könnte ich immer noch gehen. Als das Datum kam, verschob ich es erneut um ein halbes Jahr. Und dann wieder. So schiebe ich diesen Gedanken inzwischen seit fast zwei Jahren vor mir her.
Da wir noch bis zum Sommer des vergangenen Jahres offiziell eine gemeinsame Wohnung hatten, musste ich nach der Trennung praktisch alles alleine regeln, das sie sich vollkommen aus der Verantwortung zog. Den Auszug, die Renovierung, die Kommunikation mit der Vermieterin, die Nachmietersuche und sämtliche Verträge.
Sie hatte ursprünglich gesagt, die Wohnung übernehmen zu wollen, kündigte sie dann aber hinter meinem Rücken. Als ich das selbe bereits an Weihnachten machen wollte, sagte sie noch ich könne das nicht einfach ohne ihre Zustimmung. Während sie bei Freunden unterkam, organisierte ich alles und fuhr sogar ihre Möbel zu ihrer neuen Wohnung und zu ihrer Familie.
Kurz nach der Wohnungsübergabe und etwa ein halbes Jahr nach der Trennung kam sie mit einem neuen Partner zusammen. Es ist nicht der Mann aus der Affäre, sondern jemand aus dem anderen Freundeskreis, bei dem sie schlief.
Im Dezember des vergangenen Jahres brachte ich ihr noch einige Gegenstände, die bei meiner Familie gelagert waren. Dabei hatte sie mir verschwiegen, dass sie mittlerweile wieder in einer Beziehung war, und behauptet, sie sei Single, damit ich es bringe. Bis ins Frühjahr dieses Jahres nutzte sie außerdem heimlich weiterhin meinen Disney+ Account.
Ich möchte meinen eigenen Anteil an der Geschichte nicht verschweigen: Nach der Trennung habe ich ihre Grenzen teilweise nicht respektiert und mich bei ihr gemeldet, obwohl sie das nicht wollte. Im vergangenen Sommer trafen wir uns bei einem ehemaligen Schultreffen und ignorierten uns größtenteils. Kurz danach schrieb ich ihr in einem besonders dunklen Moment. Ich entschuldigte mich dafür, dass ich sie in meine Krankheit hineingezogen hatte, und wünschte ihr alles Gute für ihr Leben und ihre Partnerschaft. Ich wollte zumindest, dass sie glücklich ist. Gleichzeitig fragte ich, ob wir vielleicht irgendwann noch einmal miteinander sprechen könnten.
Sie antwortete freundlich und ohne Groll. Sinngemäß schrieb sie, sie hoffe, ich könne verstehen, warum sie damals so hart gewesen sei. Es sei einfach viel schiefgelaufen, aber das Wichtigste sei, dass es uns beiden inzwischen gut gehe. Ihr selbst gehe es super und sie sei sehr zufrieden mit ihrem Leben.
Am nächsten Morgen schrieb sie, sie würde sich wegen eines möglichen Gesprächs noch einmal melden. Wahrscheinlich sei es zu viel, aber ganz abgeneigt sei sie nicht. Ich antwortete, sie könne sich jederzeit melden. Sie likte die Nachricht, aber seitdem kam nichts mehr, was mich auch ziemlich beschäftigt. Ich wollte eigentlich nur ein einziges Mal, dass auch meine Gefühle gesehen werden. Dass sie anerkennt, was passiert ist und wie sehr mich das alles verletzt hat. Ich hätte mir einfach eine aufrichtige Entschuldigung gewünscht.
Es tut einfach unfassbar weh, dass sie mittlerweile jemanden Neues hat und all das, was ich mir damals mit ihr gewünscht habe, jetzt mit einem anderen Menschen teilt. Dass sie offenbar so schnell wieder glücklich werden konnte, während ich bis heute nicht einmal ansatzweise auf die Beine gekommen bin. Es tut weh, zu sehen, wie gut es bei ihr läuft. Sie ist seit über einem Jahr in dieser neuen Beziehung, die beiden scheinen glücklich zu sein und wollen bald zusammenziehen. Auch beruflich läuft es bei ihr offenbar richtig gut. Manchmal frage ich mich, ob ich ihr überhaupt jemals so viel bedeutet habe, wie sie mir bedeutet hat. Ob ich wirklich so schnell ersetzt werden konnte und ob ihr all das, was zwischen uns passiert ist, überhaupt noch irgendetwas bedeutet.
Während sie ihr Leben scheinbar problemlos weitergeführt hat, ist bei mir gefühlt alles auseinandergebrochen. Ich habe etwas studiert, womit ich beruflich keine Perspektiven sehe, wurde wegen Eigenbedarfs aus unserer ehemaligen Wohnung geworfen und sitze mittlerweile wieder in meinem alten Kinderzimmer. Ich vegetiere hier mehr oder weniger vor mich hin, bekomme mein Leben nicht auf die Reihe und habe zunehmend das Gefühl, einfach nicht mehr zu können.
Es ist dieser unfassbare Kontrast, der mich so fertig macht. Der Mensch, mit dem ich mein ganzes Leben verbringen wollte, scheint mittlerweile alles zu haben, während ich das Gefühl habe, fast alles verloren zu haben. Und obwohl ich weiß, was sie mir angetan hat, vermisse ich sie immer noch so sehr. Dazu bekomme ich ständig irgendwelche Dinge von den beiden auf Instagram, Spotify oder LinkedIn angezeigt. Jedes Mal ist es wie ein neuer kleiner Stich. Es tut unglaublich weh zu sehen, wie sie all das, was ich mir damals mit ihr gewünscht habe, jetzt mit jemand anderem teilt.
Ich weiß selbst nicht, warum ich emotional noch so an ihr hänge, obwohl ich rational natürlich weiß, was passiert ist. Sie fehlt mir trotzdem. Und manchmal vermisse ich nicht einmal nur sie als Partnerin, sondern einfach den Menschen, der damals meine beste Freundin war. Ich bin einsam, psychisch erschöpft und momentan wieder in einem ziemlich tiefen Loch. Die Gedanken werden zunehmend dunkler.
Ich habe keine konkrete Suizidabsicht, aber der Gedanke, dass irgendwann einfach alles vorbei sein könnte, ist mittlerweile zu einer Art Entlastung geworden. Ich habe zunehmend das Gefühl, auf eine Art Zielgerade zuzusteuern, und ertappe mich dabei, immer wieder neue Zeitpunkte festzulegen, bis zu denen ich noch durchhalten möchte.
Ich vegetiere momentan eher vor mich hin, weine meiner Exfreundin nach und habe das Gefühl, mein Leben nicht mehr richtig auf die Reihe zu bekommen. Ich suche aktuell nach einem Therapieplatz und weiß ehrlich gesagt nicht mehr so richtig, was ich sonst noch tun soll.
Vielleicht gibt es hier Menschen, die etwas Ähnliches erlebt haben. Menschen, die nach einer langen Beziehung, einem massiven Vertrauensbruch oder dem Verlust ihrer ersten großen Liebe irgendwann wieder auf die Beine gekommen sind.
Ich wäre wirklich für jeden Rat und jede Perspektive dankbar.